Sollte von einem Au-pair erwartet werden, dass es jeden Abend gemeinsam mit der Familie zu Abend isst?
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Sollte von einem Au-pair erwartet werden, dass es jeden Abend gemeinsam mit der Familie zu Abend isst?

Esther 31 Jul 2026 55 likes

Alles beginnt mit einer einfachen Einladung. „Das Essen ist fertig!“, ruft ein Gastelternteil aus der Küche.
In den ersten Wochen ist die Reaktion fast immer positiv. Das Au-pair schließt sich der Familie an und erzählt von seinem Tag, während die Kinder aufgeregt plaudern – das Abendessen wird zu einer wunderbaren Gelegenheit, sich als Teil des neuen Zuhauses zu fühlen. Doch mit der Zeit wandelt sich die Situation.
Nach einem langen Tag der Kinderbetreuung sehnt sich ein Au-pair vielleicht eher nach einem ruhigen Abend. Man möchte vielleicht die Familie daheim anrufen, sich mit Freunden aus dem Sprachkurs austauschen, spazieren gehen oder einfach eine Stunde Ruhe mit einem guten Buch genießen.

Plötzlich kann sich das, was einst eine einfache Einladung war, wie eine Verpflichtung anfühlen.
Dies ist eine der subtileren Herausforderungen des Au-pair-Lebens. Die Teilnahme am Familienleben ist ein wesentlicher Bestandteil des kulturellen Austauschs, doch ebenso wichtig ist die Freiheit, sich zurückzuziehen und Zeit für sich selbst zu haben. Das richtige Gleichgewicht zu finden, kann schwierig sein. Aus Sicht der Gastfamilie geht es beim gemeinsamen Abendessen um weit mehr als nur um die Mahlzeit an sich. Es ist eine Gelegenheit, nach einem hektischen Tag wieder zueinanderzufinden, das Au-pair ins Familienleben einzubeziehen und das Gefühl zu vermitteln, dass es mehr ist als nur eine Hilfe bei der Kinderbetreuung. Für viele Familien entstehen gerade am Esstisch kostbare Erinnerungen.
Für das Au-pair markiert der Abend jedoch oft das Ende des Arbeitstages. Nach Stunden der Kinderbespaßung, der Organisation von Terminen und der Erfüllung ständiger Bedürfnisse braucht man vielleicht einfach Zeit, um neue Kraft zu tanken. Der Wunsch nach Zeit für sich selbst bedeutet nicht, sich von der Familie zu distanzieren; vielmehr zeigt er, dass man dem eigenen Wohlbefinden Priorität einräumt.


Der Schlüssel liegt oft in einem einzigen Wort: Erwartung.

Wenn das gemeinsame Abendessen eine offene Einladung bleibt, profitieren alle davon. Das Au-pair fühlt sich ohne Druck willkommen, und die Gastfamilie schafft eine Atmosphäre, in der sich das Miteinander ganz natürlich entwickelt, anstatt aus einem Pflichtgefühl heraus zu entstehen. Jede Familie findet ihren eigenen Rhythmus. Manche Familien kommen fast jeden Abend zum Essen zusammen, während andere einen volleren Terminkalender haben, sodass gemeinsame Mahlzeiten eher eine seltene, aber geschätzte Tradition als eine tägliche Gewohnheit sind. Keine der beiden Herangehensweisen ist besser als die andere; entscheidend ist vor allem, dass alle Beteiligten offen über ihre Erwartungen sprechen und diese gegenseitig respektieren. Wie bei vielen Aspekten der Au-pair-Erfahrung geht es auch hier um mehr als nur das Abendessen. Es geht darum, Grenzen zu setzen, ein Gefühl der Zugehörigkeit zu fördern und anzuerkennen, dass jemand Teil der Familie sein und dennoch Zeit für sich selbst brauchen kann.

Die besten Beziehungen zwischen Gastfamilien und Au-pairs definieren sich nicht über die Anzahl der gemeinsam eingenommenen Abendessen. Sie wachsen durch gegenseitigen Respekt, offene Kommunikation und das Verständnis dafür, dass „sich zu Hause fühlen“ manchmal bedeutet, Erlebnisse zu teilen, und ein anderes Mal die Freiheit zu haben, Momente der Einsamkeit zu genießen.

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