Es klingt nach einer Kleinigkeit: Darf ein Au-pair etwas aus der Familienküche mitnehmen, wenn es mit Freunden ausgeht? Genau diese Frage wurde kürzlich in einer Diskussion zwischen Gastfamilien und Au-pairs aufgeworfen. Es ging darum, ob es in Ordnung ist, wenn ein Au-pair Lebensmittel oder Vorräte der Gastfamilie verwendet, um Sandwiches oder andere Speisen für Freunde zuzubereiten. Die Antworten fielen sehr unterschiedlich aus, doch eines wurde deutlich: Dieses Thema sollte offen angesprochen werden.
Sind die Lebensmittel auch für das Au-pair gedacht?
Da ein Au-pair im Haus der Familie wohnt, ist die Verpflegung ganz natürlich Teil des Familienalltags. Wenn die Familie ohnehin die Lebensmittel für die Mahlzeiten des Au-pairs einkauft, ist es nur logisch, dass das Au-pair diese auch für sich selbst verwendet. Größere Mengen an Lebensmitteln für mehrere Freunde zu nutzen, ist jedoch etwas anderes. Das bedeutet aber nicht zwangsläufig, dass die Antwort „Nein“ lauten muss. Einige Gastfamilien in der Diskussion erklärten, ihre Au-pairs dürften sich jederzeit am Kühlschrank bedienen und sogar Essen für Freunde zubereiten. Andere bevorzugten es, wenn das Au-pair vorher fragte – besonders, wenn dies regelmäßig vorkam. Beide Vorgehensweisen können funktionieren, solange die Erwartungen klar kommuniziert werden.
Gelegentliches Teilen ist etwas anderes als regelmäßiger Lebensmitteleinkauf
Hin und wieder ein paar Sandwiches für Freunde zu machen, ist etwas ganz anderes, als regelmäßig die Wocheneinkäufe der Familie zu nutzen, um eine ganze Gruppe zu verköstigen. Wenn ein Au-pair etwas für ein Picknick, ein Abendessen oder ein kleines Treffen zubereiten möchte, kann eine kurze Frage wie „Ist es in Ordnung, wenn ich einige dieser Zutaten verwende?“ unnötige Missverständnisse vermeiden. Auch für Gastfamilien ist es hilfreich, konkrete Absprachen zu treffen. Anstatt einfach nur zu sagen: „Bedien dich nicht an unseren Lebensmitteln“, sollte man erklären, welche Dinge frei verfügbar sind und welche für die Familie oder die Kinder reserviert sind.
Beim Thema Essen geht es auch darum, sich willkommen zu fühlen
Ein zentraler Punkt der Diskussion war, dass es beim Thema Essen nicht nur um Geld oder Lebensmittel geht. Für viele Menschen gehört das Teilen von Essen dazu, sich zu Hause zu fühlen. Ein Au-pair, das ständig Sorge hat, etwas Falsches aus dem Kühlschrank zu nehmen, fühlt sich womöglich eher wie ein Gast oder Angestellter als wie ein Mitglied des Haushalts. Gleichzeitig kann von Gastfamilien nicht erwartet werden, dass sie den gesamten Freundeskreis des Au-pairs unbegrenzt mit Lebensmitteln versorgen. Der Schlüssel liegt in der Kommunikation und in angemessenen Grenzen. Ein einfaches Gespräch kann das Problem lösen
Noch vor der Ankunft des Au-pairs oder in den ersten Wochen können Familien folgende Punkte besprechen:
Welche Lebensmittel stehen dem Au-pair zur Verfügung?
Darf sie Essen für Freunde zubereiten?
Sollte sie vorher fragen, bevor sie bestimmte Zutaten verwendet?
Sind Freunde willkommen, im Haus mitzuessen?
Was passiert, wenn sie zusätzliche Zutaten für ein Abendessen oder ein Picknick benötigt?
Gibt es Lebensmittel, die speziell für die Kinder gekauft wurden und nicht verwendet werden sollen?
Manche Familien sehen das Thema „Teilen“ ganz entspannt, während andere klare Grenzen bevorzugen. Keine der beiden Herangehensweisen ist problematisch, solange allen klar ist, was erwartet wird.
Das große Ganze
Die Frage nach den Lebensmitteln mag banal erscheinen, doch sie spiegelt einen wichtigen Aspekt des Au-pair-Verhältnisses wider. Ein Au-pair wohnt bei Ihnen zu Hause und nicht in einem Hotel. Wenn man es als Teil des Haushalts betrachtet, kann das Vertrauen schaffen und den Alltag angenehmer gestalten. Gleichzeitig bedeutet die Zugehörigkeit zur Familie nicht, dass es keine Grenzen gibt. Die besten Absprachen sind meist jene, bei denen beide Seiten einfach nachfragen und ehrlich antworten können – und genau wissen, woran sie sind. Manchmal kann ein fünfminütiges Gespräch über den Kühlschrank ein weitaus größeres Missverständnis zu einem späteren Zeitpunkt verhindern.